In der Regel wird in Soziologie und Psychologie eine soziale Gruppe als eine Gemeinschaft von mindestens drei Personen betrachtet, deren Mitglieder über einen längeren Zeitraum regelmäßigen Kontakt pflegen, gemeinsame Ziele verfolgen und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entwickeln. Innerhalb dieser Gruppe entstehen gemeinsame Normen, kollektive Wertvorstellungen und eine spezifische Rollenverteilung, wie Friedhelm Neidhardt betont. Ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal besteht darin, dass Gruppen auf diffusen Beziehungen zwischen den Mitgliedern basieren. In bestimmten Kontexten wird auch eine Gruppenuntergrenze von zwei Personen genannt, jedoch lediglich im Rahmen der Bildung eines mathematischen Grenzwerts.
Der dänische Soziologe Theodor Geiger hebt einen grundlegenden Unterschied zwischen einer Gruppe und einem Paar (Dyade als Zweierbeziehung) hervor. Bei einem Paar sind zwangsläufig alle Mitglieder jederzeit gemeinsam an allen Interaktionen beteiligt. Der deutsche Soziologe Georg Simmel betont die besondere Bedeutung der Dreizahl (der Triade) als untere Grenze der Gruppengröße für die Bildung von Gesellschaften.
Eine Gruppe, die aus mehreren sozialen Gruppen zusammengesetzt ist, wird als Verband bezeichnet (im Bereich der Soziologie). In der wissenschaftlichen Definition gibt es in der Regel keine Obergrenze für die Anzahl der Personen, die als soziale Gruppe gelten kann. Stattdessen gibt es entsprechende Definitionen, die eine Limitierung festlegen.
Eine weitverbreitete Definition des Begriffs “soziale Gruppe” stammt von dem Sozialpsychologen Henri Tajfel aus dem Jahr 1986:
“Wir können eine Gruppe, in diesem Sinne, begrifflich fassen als eine Ansammlung von Individuen,die sich selbst als Mitglieder der gleichen sozialen Kategorie wahrnehmen, einen emotionalen Bezug zu dieser gemeinsamen Selbsteinordnung aufweisen und ein gewisses Maß an sozialem Konsens über die Beurteilung der Gruppe und ihre Mitgliedschaft darin erlangen.”
Tajfels Definition findet Anwendung sowohl auf Kleingruppen wie ethnische Gruppen als auch auf sehr große Gruppen wie ganze Nationen.
Soziologisch wird eine Gruppe dadurch definiert, dass alle Mitglieder in einer unmittelbaren sozialen Beziehung zueinander stehen, sich jedes Mitglied der anderen bewusst ist und soziale Interaktion zwischen allen Mitgliedern möglich ist. Aufgrund dieser Interaktionen ist eine soziale Gruppe im Gegensatz zu einer Organisation, die eine weitreichende Mitgliederzahl und komplexe Sozialstruktur haben kann, in ihrer Größe grundsätzlich begrenzt. Große Organisationen weisen oft eine anonyme Struktur mit formalisierten und unpersönlichen Begegnungen auf. Im Gegensatz dazu ist eine soziale Gruppe aufgrund der notwendigen Interaktionen in ihrer Größe beschränkt.
Zusätzlich wird zwischen formellen Gruppen oder Sekundärgruppen, die von außen geschaffen wurden, und informellen Gruppen oder Primärgruppen, die sich basierend auf individuellem Kontakt und emotionalen Bindungen gebildet haben, unterschieden.
Die formellen Gruppen werden von der Organisationsleitung nach den jeweiligen Erfordernissen und Zielsetzungen gebildet, um bestimmte, geplante und definierte Aufgaben zu erfüllen und Teilziele zu erreichen, wie beispielsweise Arbeitsgruppen, Teams, Ausschüsse oder Qualitätszirkel.
Die informelle Gruppe zeichnet sich durch emotionale Bindungen zwischen den Mitgliedern aus. Die Mitglieder haben unabhängige Beziehungen zur formalen Organisation, beispielsweise als Freundeskreis, Peer-Group oder Clique. Sie befriedigen soziale Bedürfnisse sowohl am Arbeitsplatz als auch in ihrer Freizeit.
Eine häufige Eigenschaft vieler Gruppen ist ihre Abgrenzung gegenüber Nicht-Mitgliedern.
Die soziologische Definition von Friedhelm Neidhardt besagt: “Eine Gruppe ist ein soziales System, dessen Sinnzusammenhang unmittelbar durch diffuse Mitgliederbeziehungen sowie durch relative Dauerhaftigkeit bestimmt ist.” Charakteristisch für eine Gruppe ist oft eine wiederkehrende Interaktion zwischen den Mitgliedern, obwohl dies nicht zwangsläufig der Fall ist. Gruppen sind nicht nur auf zweckrationale Handlungserwartungen beschränkt, sondern beinhalten auch eine “Vielzahl von Bezügen auf einer formell nicht eingegrenzten Bezugsebene”. Ein sozial Handelnder (Akteur) gehört zu einer Gruppe:
Um die erste Bedingung zu erfüllen, muss diese Gruppe mindestens in der Vorstellung eines Akteurs existieren. Sie kann dann als Bezugsrahmen für soziale Vergleiche dienen und so als seine Bezugsgruppe wirken, auch wenn sie nicht nur aus lebenden Akteuren bestehen muss (wie z. B. “meine Sippe”) oder den Mitgliedern möglicherweise nicht bewusst ist, dass sie als Bezugsgruppe wirken.
Zur Unterscheidung zwischen Eigengruppe und Fremdgruppe kann eine Gruppe auch eine Gruppenidentität mit Gruppenkohäsion (dem “Wir-Gefühl”) und Gruppendenken entwickelt haben. Die Gruppenkohäsion, gelegentlich auch als Korpsgeist bezeichnet, ist ein wesentlicher, konstituierender Faktor für den Erhalt und Bestand von Gruppen, da dieses Gruppengefühl auf den Gefühlen der Zugehörigkeit und Zusammengehörigkeit beruht. Unmittelbare Interaktion eines Mitglieds mit jedem anderen, Vertrautheit und Intimität gehören ebenfalls zu den Qualitäten der Gruppe.
Durch die Festlegung auf die Zusammengehörigkeit grenzt eine Gruppe ihre Mitglieder von Personen außerhalb der Gruppe ab. Die Mitgliedschaft wird durch wiederkehrende Interaktionsmuster erkennbar, bleibt jedoch über die bloße Interaktion hinaus bestehen. Im Unterschied zu Organisationen erfolgt der Eintritt neuer Mitglieder in einer Gruppe (ebenso wie der Austritt) nicht immer durch eine explizite Entscheidung, sondern kann eher schleichend vonstattengehen. Die Wahrnehmung der Zusammengehörigkeit ist eng mit dem Aufbau persönlichen Vertrauens verbunden, wodurch eine Erwartungssicherheit entsteht.
Die äußere Manifestation der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe kann auf unterschiedliche Weise erfolgen, angefangen bei der Sprache bis hin zu sichtbaren Kennzeichen wie beispielsweise Kleidung.
Innerhalb einer Gruppe prägt das soziale Miteinander sich durch langfristige soziale Beziehungen, individuelles und gemeinsames Handeln, geteilte Werte und Interessen, unmittelbare Beziehungen, gegenseitige Wahrnehmung der Mitglieder, physische Anwesenheit sowie direkte Interaktionen und koordinierte soziale Rollen.
Die Struktur einer Gruppe wird maßgeblich durch verschiedene soziale Rollen der Einzelnen und deren sozialen Status beeinflusst, der sich auf die Verteilung von Macht, Kompetenz, Einfluss, Autorität oder anderen bedeutenden sozialen Ressourcen bezieht. Hierbei können Hierarchien oder andere spezifische Strukturen entstehen, die von individuellen Verhaltensweisen wie Unterwerfung oder Anpassung geprägt sind.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist das Verhältnis zwischen dem Inneren und Äußeren der Gruppe. Dies schließt ein, wie sich die Gruppe nach innen hin als Gemeinschaft definiert, sei es durch Inhalte, Gefühle, Rituale oder Werte, sowie wie die Gruppe sich nach außen hin von ihrem Umfeld, anderen Gruppen oder der Gesellschaft abgrenzt. Die Art und Weise dieser Abgrenzung stellt einen entscheidenden Analysefaktor dar.
Gruppennormen, die das Handeln und Verhalten in Gruppen regeln, entstehen durch die Teilnahme an Gruppeninteraktionen, insbesondere durch die dynamische Entwicklung des Gruppensystems. Diese Normen werden jedoch oft erst im Konfliktfall deutlich oder ausgesprochen. Zum Beispiel legt jemand, der bei einer Interaktion nicht ausdrücklich gegen das Verhalten anderer Gruppenmitglieder einspricht, fest, dass er dieses Verhalten akzeptiert, ohne künftig legitim dagegen protestieren zu können.
Im Verlauf der Zeit kristallisieren sich in Gruppen in der Regel bestimmte Positionen heraus, die von einzelnen Mitgliedern eingenommen und unterschiedlich ausgefüllt werden können. Die soziale Rolle kann von Individuen bewusst oder unbewusst übernommen oder anderen zugeschrieben werden, und die Übernahme sowie Zuschreibung von Rollen werden sozial ausgehandelt.
Die Entstehung “entscheidungsmechanischer Hierarchien”, also die instrumentelle Differenzierung von Rollen, kann durch den Handlungsdruck beeinflusst werden, der durch die äußere Umwelt auf eine Gruppe ausgeübt wird, sowie durch die Zweckorientierung der Gruppe. In Gruppen, für die äußerer Handlungsdruck weniger relevant ist, differenzieren sich Rollen stattdessen durch die Ausbildung von personalisierten Stereotypen (zum Beispiel die/der Fürsorgliche). Generell muss der Druck der äußeren und inneren Umwelt zur Sicherung des Gruppenfortbestands durch Rollendifferenzierungen und Integrationsleistungen ausgeglichen werden. Dabei ist entscheidend, dass Rollen in Gruppen oft latent bleiben und nicht explizit festgelegt werden.
Innerhalb der psychodynamischen Perspektive auf Kleingruppen lassen sich zwei Denkrichtungen unterscheiden: Psychoanalytische und humanistische Ansätze. Die psychoanalytischen Ansätze basieren auf den Theorien von Sigmund Freud und den Forschungen von Melanie Klein, auf deren Grundlage Wilfred Bion die Gruppenanalyse entwickelte. In den 1970er Jahren prägte Horst-Eberhard Richter den psychoanalytischen Ansatz in Deutschland maßgeblich. Bei den humanistischen Ansätzen lassen sich die T-Group (Training Group) Methode von Kurt Lewin einerseits und die Perspektive des Psychodramas von Jacob Levy Moreno andererseits unterscheiden. Lewins T-Group Methode beruht auf der Annahme von unbewussten Prozessen, die Kräfte hervorbringen, die die Interaktionen innerhalb einer Gruppe beeinflussen. Die einzelnen Gruppenmitglieder sollen durch Training befähigt werden, Probleme in der Gruppe selbst zu lösen. Die psychodramatische Perspektive legt den Fokus auf die Handlungen innerhalb der Gruppe. Ziel ist es, durch die Darstellung unterdrückter Emotionen des Einzelnen und der Gruppe (Rollenspiele etc.) deren Kreativität zu nutzen, um Probleme zu lösen.
Der Social-Identity-Ansatz geht davon aus, dass die Identität einer Person aus zwei Komponenten besteht: der persönlichen Identität, die auf idiosynkratische Persönlichkeitsmerkmale zurückzuführen ist, und der sozialen Identität. Die Zugehörigkeit zu Gruppen ist ausschlaggebend für die Konstitution dieser zweiten Komponente. Eine eindeutige Definition der Gruppe liegt dabei nicht zugrunde. Sobald eine Gruppenidentität unterstellt werden kann, wird ein sozialer Zusammenhang zum Untersuchungsgegenstand des Social Identity Approach; unter “Gruppe” fallen daher sowohl Kleingruppen, Sportmannschaften und Arbeitskollektive in Organisationen als auch Ethnien, Glaubensgemeinschaften, Untergruppen innerhalb einer Glaubensgemeinschaft und Geschlechtskategorien. Das zentrale Erkenntnisinteresse des Ansatzes richtet sich auf “the relationship between human psychological functioning and the large-scale social processes and events which shape this functioning and are shaped by it”.
In der Systemtheorie gibt es Ansätze, die Einflüsse der Umwelt auf die Gruppe erfassen. Die besondere Relevanz der Innenwelt oder inneren Umwelt bezogen auf die Mitglieder der Gruppe und die Möglichkeit der Steuerung von Gruppenprozessen über Gefühle als Medien können jedoch nach Ansicht einiger Autoren mit psychoanalytischen Begriffen präziser beschrieben werden als mit soziologischen Hilfskonstruktionen wie Interesse, Intention oder Motivation. Um das Verhältnis von Psychischem und Sozialem begrifflich zu bestimmen, bietet sich der Begriff der Interpenetration an: “Interpenetration liegt entsprechend dann vor, wenn […] beide Systeme sich wechselseitig dadurch ermöglichen, dass sie in das jeweils andere ihre vorkonstituierte Eigenkomplexität einbringen.” In dieser Konzeption bleiben Psychisches und Soziales getrennt. Die Systemtheorie von Luhmann betrachtet die Gruppe zunächst völlig unabhängig von der Umwelt. Dabei wird die Größe der Gruppe in der Theorie begrenzt. Es gibt aber inzwischen auch Betrachtungen komplexer Systeme und somit größerer Gruppen.