Der Terminus “Schenkökonomie”, auch bekannt als “Kultur des Schenkens” oder “Umsonstökonomie”, bezeichnet eine soziologische Theorie, die dem Strukturfunktionalismus zugeordnet wird. In diesem Sinne repräsentiert die Schenkökonomie ein soziales System, in dem Güter und Dienstleistungen ohne unmittelbare oder erkennbare zukünftige (monetäre) Gegenleistung weitergegeben werden.
Eine Schenkökonomie basiert auf dem Prinzip der Schenkung, einem Akt, bei dem eine Person aus ihrem Vermögen einen anderen bereichert. Die Schenkung, auch als “donatio” im Lateinischen bezeichnet, zeichnet sich dadurch aus, dass sie unentgeltlich erfolgt und eine Vereinbarung zwischen den beteiligten Parteien darüber besteht. In diesem Austausch wird bewusst auf die Erwartung einer finanziellen Gegenleistung verzichtet.
Im Kern ist die Schenkung ein altruistischer Akt, bei dem der Schenkende freiwillig und ohne direkte Entlohnung handelt, um den Beschenkten zu begünstigen. Diese Form des Austauschs betont die soziale und emotionale Dimension, wobei der Schenkende und der Beschenkte eine Einigung darüber erzielen, dass die Übertragung von Vermögenswerten ohne monetäre Gegenleistung erfolgt. Es besteht ein beidseitiges Einverständnis darüber, dass die Schenkung nicht auf einem reinen Tausch von Waren oder Dienstleistungen basiert, sondern auf einem freigebigen Akt des Gebens.
In einer Schenkökonomie können solche Schenkungen als grundlegender Mechanismus dienen, der das soziale Gefüge stärkt und die zwischenmenschlichen Beziehungen fördert. Diese Form des wirtschaftlichen Austauschs betont die Idee der Großzügigkeit und des sozialen Zusammenhalts, da die Schenkung nicht von der Erwartung eines direkten materiellen Nutzens begleitet wird.
Es ist wichtig zu betonen, dass eine Schenkökonomie nicht ausschließlich auf Schenkungen basiert, sondern auch andere Formen des Austauschs und der Kooperation einschließt. Der Fokus liegt jedoch auf der Anerkennung der Schenkung als eigenständige und bedeutungsvolle Interaktionsform, die über rein ökonomische Überlegungen hinausgeht.
Der Übergang von sporadischen Einzelschenkungen hin zu einer umfassenden Schenkökonomie markiert einen evolutionären Schritt für eine Gesellschaft. In einer solchen Gesellschaft zeichnet sich Vertrautheit ab, eine tiefe Kenntnis unter den Mitgliedern, und jeder Einzelne erhält, was er benötigt. Ein wesentlicher Aspekt besteht darin, dass jedes Mitglied einen Beitrag zur Gesellschaft leistet, nicht als erwartete Gegenleistung, sondern als integraler Bestandteil eines kooperativen Teams, das gemeinsam agiert. In dieser Idealvorstellung gibt es keinen Verzicht, keine Diskriminierung, insbesondere in Form von Armut, und keinen Neid.
Diese utopische Vision wird erst realisierbar, wenn Menschen es schaffen, sich aus dem egozentrischen Denken zu lösen und stattdessen in einen Zustand der Gemeinschaftlichkeit eintreten. Unabhängig von den vorherrschenden Systemen oder Ideologien wird die unausweichliche Realität betont: die wechselseitige Abhängigkeit der Menschen voneinander. Obwohl das Gefühl des Selbst präsent ist, wird deutlich, dass niemand allein überleben könnte. Die Herausforderungen eines Einzelnen wirken sich zwangsläufig mehr oder weniger auf die gesamte Gruppe aus und können, abhängig von ihrer Größe, das Gruppengefüge beeinflussen.
Ein grundlegendes Verständnis dieser Dynamik führt zur Erkenntnis, dass jede Form von Hilfe für eine Gruppe oder Gesellschaft sowie jeder Fortschritt für eine Gemeinschaft automatisch zu einer Verbesserung des individuellen Lebensstandards führt. Dies wiederum hat zur Folge, dass es jedem Einzelnen besser ergehen wird. Eine kollektive Veränderung, die durch ein Umdenken und ein Loslösen von Ausgrenzung geprägt ist, wird umso mehr gelingen, je mehr Menschen diesen Paradigmenwechsel vollziehen.
Extrinsische Motivation bezieht sich auf die Anreize oder Belohnungen, die von äußeren Quellen kommen und dazu dienen, das Verhalten einer Person zu beeinflussen. Das bedeutet, dass die Motivation für eine Handlung nicht aus der Handlung selbst stammt, sondern von außen angeregt wird. Diese Anreize können verschiedene Formen annehmen, darunter finanzielle Belohnungen, Lob, Anerkennung, Strafen oder andere äußere Faktoren, die darauf abzielen, ein bestimmtes Verhalten zu fördern oder zu hemmen.
Im Gegensatz dazu bezieht sich intrinsische Motivation auf die innere Motivation, die von persönlichem Interesse, Freude an der Tätigkeit, Neugierde oder dem Streben nach persönlicher Entwicklung getrieben wird. Hier entspringt die Motivation aus dem Akt selbst und nicht aus äußeren Anreizen. Menschen, die intrinsisch motiviert sind, führen Handlungen aus, weil sie die Tätigkeit als ansprechend, herausfordernd oder erfüllend empfinden, unabhängig von äußeren Belohnungen oder Bestrafungen.
Im Kontext der Schenkung ist es interessant, diese Motivationsarten zu betrachten. Eine Schenkung kann sowohl extrinsisch als auch intrinsisch motiviert sein. Extrinsische Motivation könnte in Form von sozialer Anerkennung oder dem Wunsch nach positivem Image in der Gesellschaft auftreten. Zum Beispiel könnte jemand Geld an eine wohltätige Organisation spenden, um in der Gemeinschaft als großzügig wahrgenommen zu werden.
Auf der anderen Seite könnte eine intrinsische Motivation für eine Schenkung darin bestehen, dass die Person inneres Glück, Erfüllung oder persönliches Wachstum durch den Akt des Schenkens erlebt. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Person intrinsische Freude daran hat, anderen zu helfen, Empathie empfindet oder ein starkes inneres Bedürfnis nach sozialem Beitrag verspürt.
Es ist wichtig zu betonen, dass diese Motivationsarten nicht strikt voneinander getrennt sind, und oft spielen beide Elemente eine Rolle bei menschlichem Verhalten, einschließlich Schenkungen. Indem man die verschiedenen Motivationsfaktoren versteht, kann man auch besser die Vielfalt der Beweggründe für großzügiges Handeln in einer Gesellschaft begreifen.
In der heutigen Gesellschaft wird oft extrinsische Motivation, die durch äußere Anreize wie Tausch oder Geld verstärkt wird, betont. Jedoch ist es entscheidend zu erkennen, dass eine nachhaltige Schenkökonomie vor allem von intrinsischer Motivation getrieben sein sollte. Der Grund hierfür liegt darin, dass, wenn intrinsische Motivation nicht im Vordergrund steht, die Schenkökonomie mit der Zeit Gefahr läuft, zu einem Tauschhandel zu degenerieren. Obwohl dieser nicht mehr auf Geld oder Materialismus basiert, kann er dennoch eine Form der Diskriminierung einführen und Gruppen ausschließen.
Die Schenkökonomie sollte nicht nur als eine reine Transaktion betrachtet werden, sondern als ein soziales Geflecht, das auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und generösen Teilens basiert. Die intrinsische Motivation, aus einem inneren Wunsch heraus zu schenken und anderen zu helfen, stellt sicher, dass die Schenkungen nicht durch äußere Belohnungen oder Strafen gesteuert werden. Stattdessen liegt der Fokus auf der Freude und Erfüllung, die aus dem Akt des Gebens selbst resultieren.
Um eine Schenkökonomie zu bewahren, die nicht einzelne Menschen bevorzugt und inklusiv ist, ist es wichtig, die intrinsische Motivation zu fördern. Dies könnte durch Bildung, kulturelle Praktiken und soziale Normen geschehen, die das Bewusstsein für die intrinsischen Belohnungen des Schenkens schärfen. Das Bestreben sollte sein, ein Verständnis dafür zu schaffen, dass das Wohl der Gemeinschaft und individuelles Glück Hand in Hand gehen können, ohne dass eine extrinsische Belohnung notwendig ist.
Es mag eine Herausforderung sein, alle Menschen dazu zu bewegen, ausschließlich von intrinsischer Motivation geleitet zu handeln. Dennoch trägt das Streben danach dazu bei, eine Schenkökonomie zu gestalten, die auf den fundamentalen Prinzipien von Gleichheit und gegenseitiger Unterstützung basiert.
Nachfolgend werden einige Beispiele für Schenkökonomien aufgeführt. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern dient dazu, verschiedene Formen und Ausprägungen von Schenkungspraktiken zu illustrieren.
Freiwilligenarbeit und Gemeinschaftsprojekte:
In einer Schenkökonomie tragen Menschen freiwillig zu verschiedenen Gemeinschaftsprojekten bei, sei es im Bereich der Bildung, Umweltschutz oder Gemeinschaftsentwicklung. Diese Arbeit erfolgt ohne finanzielle Entlohnung, basiert jedoch auf dem Prinzip des Gebens und Empfangens.
Helfa – Nachbarschaftshilfe:
Helfa ist eine Plattform für nachbarschaftliche Hilfe, die Menschen zusammenbringt, um sich gegenseitig zu unterstützen. Dies kann von alltäglichen Aufgaben bis hin zu emotionaler Unterstützung reichen, und es beruht auf dem Prinzip der freien Schenkung von Zeit und Dienstleistungen.
Lebensmittel- und Kleidertauschläden:
In Schenkökonomien können Lebensmittel- und Kleidertauschläden entstehen, in denen Menschen nicht mehr benötigte oder überschüssige Gegenstände teilen. Dies fördert die Nachhaltigkeit und reduziert den Konsum von neuen Ressourcen.
Gemeinschaftsgärten:
Gemeinschaftsgärten sind ein Beispiel für kollektive Anstrengungen, bei denen Menschen gemeinsam Lebensmittel anbauen und teilen. Jeder trägt zum Gelingen des Gartens bei und hat Zugang zu den erzeugten Nahrungsmitteln.
Bildungsinitiativen und Wissensteilung:
In einer Schenkökonomie teilen Menschen freiwillig ihr Wissen und ihre Fähigkeiten mit anderen. Das kann durch Workshops, Vorträge oder gemeinsames Lernen geschehen, ohne dass eine direkte finanzielle Entschädigung im Vordergrund steht.
Unterstützungsnetzwerke für Bedürftige:
Menschen in Schenkökonomien können sich zu Netzwerken zusammenschließen, um bedürftigen Mitgliedern in der Gemeinschaft zu helfen. Das kann materielle Unterstützung, emotionale Begleitung oder praktische Hilfe umfassen.
Kunst und Kultur:
Künstlerinnen und Künstler können ihre Werke in einer Schenkökonomie teilen, sei es durch Ausstellungen, öffentliche Aufführungen oder kreative Projekte. Die Kunst wird als Geschenk betrachtet, das zur Bereicherung der Gemeinschaft beiträgt.
OpenSource Initiativen:
In der digitalen Welt tragen OpenSource-Initiativen zur Schenkökonomie bei, indem Software, Wissen und Ressourcen frei geteilt werden. Entwicklerinnen und Entwickler arbeiten zusammen, um gemeinschaftlich nutzbare Produkte zu schaffen, ohne dass Geld im Vordergrund steht.
Wandervölker und Nomadengemeinschaften:
Traditionelle Wandervölker praktizieren oft eine Schenkökonomie, bei der Ressourcen und Güter geteilt werden. Dies zeigt, dass eine mobile Lebensweise auf den Prinzipien der Gemeinschaft und des Teilens basieren kann.